Nur eine gerechte und nachhaltige Stadt kann eine schöne Stadt sein. Boden ist dafür der Schlüssel, denn er ist unvermehrbar und unverzichtbar. Boden steht heute dreifach unter Druck: als knappe und umkämpfte Flächenressource, als handelbare Ware und lukrative Finanzanlage - und nicht zuletzt als überlastetes ökologisches System. Die Bodenkrise geniesst weit weniger öffentliche Aufmerksamkeit und politische Priorität als Klima- oder Biodiversitätskrise - aber sie ist nicht weniger brisant. Denn steigende Bodenpreise und leistungslose Bodenrenten auf der einen und immer höhere Mieten auf der anderen Seite treiben eine Umverteilung von unten nach oben an und gefährden so den sozialen Zusammenhalt. Sozialorientierte Stadtentwicklung, bezahlbare Wohnungen und ökologische Bodennutzungen werden nicht selten durch private Eigentumstitel ausgebremst. Eine am Gemeinwohl orientierte Bodenwende scheint also überfällig. Welche Stellschrauben und Instrumente sind dafür entscheidend? Welche Akteure und Interessen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind dabei im Spiel? Welche kulturellen und rechtlichen Hemmnisse stehen einer Bodenwende im Weg? Eröffnet eine aktive kommunale Bodenpolitik eine Chance, die Marktlogik zumindest lokal zu durchbrechen?
Der Vortrag reflektiert überwiegend den Diskussionsstand in Deutschland, wirft aber auch einen Blick in die Schweiz und nach Österreich.
Vortrag von Stephan Reiss-Schmidt, im Anschluss Podiumsdiskussion mit Ivo Balmer, moderiert durch Katrin Eberhard.
Eintritt CHF 10.– / Mitglieder AFO Eintritt frei
Gratis Studenten-Mitgliedschaft
Stephan Reiß-Schmidt
Stephan Reiß-Schmidt, Dipl.-Ing., Stadtdirektor a.D., lebt als freier Berater und Autor für Stadt- und Regionalentwicklung in München.
Er ist Ko-Vorsitzender des Ausschusses Bodenpolitik der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) und Mitinitiator des bundesweiten BÜNDNIS BODENWENDE.
Von 1996 bis 2017 war Stephan Reiß-Schmidt Leiter der Hauptabteilung Stadtentwicklungsplanung bei der Landeshauptstadt München sowie ab 2000 Vorsitzender der Fachkommission Stadtentwicklungsplanung des Deutschen Städtetages.
Nach dem Architektur- und Städtebaustudium an der RWTH Aachen und der Großen Staatsprüfung war er 15 Jahre als Stadt- und Regionalplaner im Ruhrgebiet tätig, u.a. bei Projekten der IBA Emscherpark.