Der Umgang mit dem Vorgefundenen – mit seinen sichtbaren wie unsichtbaren Spuren – bildet die Grundlage der Entwurfsarbeit von Krebs und Herde Landschaftsarchitekten. Bestehende Vegetations- und Baustrukturen, frühere Nutzungen oder Haltungen vergangener Epochen werden dabei als inspirierendes Entwurfssubstrat verstanden. Je nach Situation verfolgen sie unterschiedliche Strategien: Erhalten, Weiterverwenden, Wiederverwenden oder Überschreiben.
Das Vorgefundene wirkt als atmosphärisches «Sentimento» und verleiht den transformierten Orten ihre spezifische Identität. Durch Umformungen, neue Konstellationen und veränderten Gebrauch entstehen zugleich Umdeutungen: Aus einer Lagerhalle wird eine Parkhalle, ein Industriegleis verwandelt sich in eine Promenade, und zufällig entstandener Baumbestand bildet die Grundlage geformter Parkräume.
Der materielle Wert des Bestands tritt dabei in den Hintergrund – entscheidend ist, was dem Ort und seiner zukünftigen Bestimmung dient. Mauern, Baustrukturen, Wegspuren, alte Bäume oder Unkrautfluren werden zu Ausgangspunkten einer präzisen, handwerklich geprägten Praxis. Selbst aus rohem Betonabbruch werden neue Elemente für Regenwasserspeicherung, Biodiversität und Aufenthalt geformt.
In seinem Vortrag zeigt Matthias Krebs anhand ausgewählter Projekte – darunter der Koch-Park in Zürich, der Brühlgutpark in Winterthur und der Park Mitte in Hamburg-Altona – den differenzierten Umgang mit Fragmenten, Geschichtsspuren und Erinnerungen. Im Fokus steht dabei die Transformation hin zu klimaökologisch wirksamen Freiräumen in der Stadt.
Vortrag von Matthias Krebs, im Anschluss Podiumsdiskussion mit Markus Lüscher, moderiert durch Karin Salm.
Eintritt CHF 10.– / Mitglieder AFO Eintritt frei
Gratis Studenten-Mitgliedschaft
Matthias Krebs
Geboren 1965 in Winterthur (CH), absolvierte eine Berufslehre als Staudengärtner in Agasul. Anschliessend selbständige Tätigkeit im Gartenbau und Fachhörerstudium für Landschaftsarchitektur an der Hochschule Rapperswil von 1987 bis 1989 bei Prof. Dieter Kienast, Prof. Christian Stern und dem Bildhauer Jürg Altherr. Ab 1993 eigenes Atelier und 1999 Gründungspartner von Rotzler Krebs Partner – heute Krebs und Herde Landschaftsarchitekten. Sein Schwerpunkt liegt im Entwurf und in der Pflanzenverwendung. 2018 bis 2022 war er Mitglied des Baukollegiums Zürich und vertrat als Juror die landschaftsarchitektonische Sicht in Wettbewerbsverfahren.
Markus Lüscher
Markus Lüscher, Dipl. Arch. ETH SIA BSA
1989-1996 ETH Zürich, TU Berlin
1992-1993 OMA Rem Koolhaas Rotterdam
1997 Staufer Hasler Frauenfeld
1998 Käferstein Meister Zürich
1998-2004 Gigon Guyer Zürich
2004- PARK ARCH