Doris Zoller, Architektin und Stadtplanerin aus München, zeigt über eine rein architektonische Betrachtungsweise hinaus die enorme soziokulturelle Bedeutung der Erdgeschosszone im verdichteten europäischen Wohnungsbau auf. Diese herausragende Rolle begruündet sich zunächst aus ihrer Position: Sie wird auf Augenhöhe wahrgenommen. Sie ist Gebäudesockel und Interaktionsraum zugleich. Hier treffen Architektur und Stadtleben, Individuum und Gemeinschaft, Privatheit und Öffentlichkeit aufeinander und formen sich aus einem Gemenge von architektonischen, sozialen und ökonomischen Schwellen und Übergangsräumen zu Räumen des Dazwischen aus. Diese Transfer- und Übergangszonen stehen in enger Wechselwirkung zwischen der Typologie von Wohngebäuden und dem Charakter der angrenzenden öffentlichen Räume. Die Erdgeschosszone ist also weit mehr als eine Reihung funktional notwendiger Räume, sie birgt Bereiche der Nutzbarkeit und Aneignung für die Stadtbewohner und trägt somit wesentlich zur Identität eines Quartiers und damit letztlich der gesamten Stadt bei.